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Abszess

Ein Abszess (Eiterknoten, Eiterbeule) ist eine Ansammlung von Eiter, die sich vom umliegenden Gewebe abgegrenzt hat. Der Körper baut um den Eiterbeutel herum eine Kapsel, um den Abszess daran zu hindern, sich weiter auszubreiten.

Abszesse können sich überall im Körper bilden (anders als Furunkel, die nur an behaarten Körperstellen auftreten, weil sie aus einem entzündeten Haarbalg und umliegendem Gewebe bestehen). Befindet sich der Abszess direkt unter der Haut, spricht man von einem kutanen Abszess, liegt er tiefer, handelt es sich um einen subkutanen Abszess.

Die Symptome eines oberflächlichen Abszesses sind:

  • Eiter bildet sich
  • Es entstehen Schwellungen, die sich heiß anfühlen und erstastbar sind
  • Die Schwellungen schmerzen und reagieren sehr druckempfindlich
  • Die Schwellungen sind gerötet und scharf abgegrenzt
  • Fieber, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und Kopfweh können mit einhergehen
  • Die Schwellungen bilden sich wenige Stunden oder Tage nach der Infektion

Die tiefer liegenden Abszesse zeigen sich in weniger deutlich, sie bleiben von außen oft unsichtbar. Dann können nur Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Erbrechen und Schüttelfrost auf einen möglichen Abszess hinweisen.

Am häufigsten treten Abszesse an den Stellen auf, an denen man stark schwitzt und viel Reibung herrscht. Die Eiterbeutel können sich auch am After (Analabszess, siehe auch Abszess am After) oder am Zahnfleisch bilden.

Hervorgerufen werden Abszesse meist durch Bakterien-Infektionen wie die durch Staphylococcus aureus, es können jedoch auch andere Bakterienarten oder Pilze verantwortlich sein. Ist die Haut verletzt, können Bakterien in den Organismus eintreten. Die Gefahr für eine Infektion ist dann am größten, wenn die Immunabwehr herabgesetzt ist, man unter Diabetes mellitus leidet, die Haut bereits vorgeschädigt ist (z.B. bei Neurodermitis oder Schuppenflechte), die Wunden nicht oder schlecht hygienisch versorgt werden oder scheuernde und eng anliegende Kleidung die Haut aufscheuert.

Treten Bakterien ein und kommt es zu einer Entzündung, werden die mit weißen Blutkörperchen abgewehrt, wobei Blutzellen und Gewebezellen absterben. Daraufhin entsteht eine Körperhöhle – eine Schwellung, die sich mit Eiter und Flüssigkeiten füllt – der Abszess.

Breiten sich die Krankheitserreger in die Lymphbanen aus, werden rote Streifen sichtbar, die vom Abszess wegführen. Dann ist die Rede von einer Lymphangitis.

Neben den typischen, von Bakterien hervorgerufenen Abszessen gibt es noch die „kalten Abszesse“ (steriler Abszess) ohne Bakterieneinfluss. Er tritt zum Beispiel bei chronischen Infektionskrankheiten wie der Tuberkulose auf, wenn Eiter aus einer Entzündung in eine andere Körperregion abfließt.

In jedem Fall darf ein Abszess NICHT ausgedrückt werden. Drückt man zu stark auf der Schwellung herum, dann können die Erreger in die Blutbahn gelangen, die Entzündung weitet sich aus und gipfelt schlimmstenfalls sogar in einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung, einer Sepsis.

Die Abszess-Behandlung hängt von der betroffenen Stelle und der Größe der Eiterbeule ab. Vor allem größere Abszesse entfernt der Arzt chirurgisch, indem er die Abszesshöhle aufschneidet und den Eiter über eine Drainage abfließen lässt.

Abszess – Ursachen

Die Abszess-Ursachen lassen sich in den meisten Fällen auf kleine Verletzungen der Haut oder Schleimhaut zurückführen, durch die Bakterien in den Organismus eingedrungen sind (v.a. Staphylococcus aureus) und zu Entzündungen führen. Treten Bakterien über die verletzte Haut oder Schleimhaut in den Körper, bekämpft der Körper sie mit weißen Blutkörperchen. Während er die Bakterien abzuwehren versucht, kann Eiter entstehen, der sich aus abgestorbenem Gewebe, aus Bakterien und weißen Blutzellen zusammensetzt. Der Körper baut dann um diesen Eiterbeutel herum eine Kapsel aus Bindegewebe, um zu verhindern, dass sich der Abszess noch weiter ausbreitet.

Sicher vorbeugen kann man einem Abszess nicht, aber: wer kleine Hautverletzungen und Schürfwunden (zum Beispiel durch zu enge oder reibende Kleidung, oder durch zu hartes Klopapier) säubert und pflegt, senkt das Risiko einer Infektion und eines daraus wachsenden Abszesses.

Selten kann auch eine Spritze Ursache eines Abszesses sein, dann spricht man vom Spritzenabszess. Auftreten kann er, wenn die Haut vor dem Spritzen nicht desinfiziert wird. Am häufigsten tritt dies bei Heroin-Abhängigen und bei dopenden Sportlern auf.

Neben den typischen, von Bakterien ausgelösten Abszessen gibt es eine weitere Abszess-Ursache: die chronische Entzündung. Bei Morbus Crohn oder Tuberkulose etwa sind oft tieferlegende Schichten des Körpers vom Abszess betroffen, der in diesem Fall kaum Eiter enthält und „kalter Abszess“ genannt wird.

Abszess – Symptome

Die ersten Abszess-Symptome sind sichtbare Entzündungen der Haut in der Größe eines Pickels. Die betroffene Haut ist dann geschwollen, gerötet und sehr druckempfindlich. Ein Abszess schmerzt oft, wenn man sich bewegt, ihn berührt oder er an der Kleidung scheuert. Liegt ein Analabszess (Abszess am After) vor, spürt man die Schmerzen meist bei festem Stuhlgang oder allgemein beim Sitzen. Auch am After ist die Schwellung in der Regel gut sichtbar.

Wenn sich die Entzündung ausbreitet und sich mehr Eiter sammelt, sieht man an den oberflächlichen Abszessen eine weißlich-gelbe Farbe in der Mitte der Schwellung.

Weitere Abszess-Symptome können sein, vor allem bei größeren und / oder tieferliegenden Abszessen:

  • Fieber und Krankheitsgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen

Die tieferliegenden Abszesse (subkutane Abszesse) sind oft weder sichtbar, noch schmerzhaft. Dann können nur die Fieber- und Krankheits-Symptome auf einen möglichen Abszess hindeuten.

Wer versucht, den Abszess selbst auszudrücken, begibt sich in große Gefahr. Befindet sich der Abszess im Gesicht, und man drückt darauf herum, können sich die Bakterien in der Breite und Tiefe ausbreiten und einen Hirnabszess entstehen lassen. Auch an anderen Körperstellen kann es gefährlich werden, weil zum Beispiel eine Blutvergiftung (Sepsis) resultieren kann, wenn man die Entzündung „in den Körper drückt“.

Wie stark und langanhaltend die Abszess-Symptome sind, hängt von der Größe, Lage und Behandlung der Eiterbeule ab. Wird sie vom Arzt entfernt, heilt sie meist ohne Komplikationen ab, dies kann jedoch bei größeren Abszessen bis zu mehreren Wochen dauern. Wird der Abszess nicht entsprechend behandelt, kann sich in der Wunde immer wieder ein neuer Abszess bilden.

Siehe Abszess Bilder.

Abszess – Diagnose

Die Abszess-Diagnose erfolgt bei dicht unter der Hautoberfläche liegenden Abszessen anhand der Betrachtung der Hautveränderung und einem Abtasten. Die vom Abszess betroffene Körperstelle ist entzündet, sprich: gerötet und geschwollen, heiß und sehr druckempfindlich.

Im Vergleich zu Pickeln ist die Haut bei einem Abszess deutlich stärker rot gefärbt, die Schwellung und die Eiterpustel sind zudem größer als bei Akne.
Neben den Hautveränderungen können Fieber und Schüttelfrost mit dem Abszess einhergehen.

Da die tieferliegenden Abszesse oft nicht sichtbar sind und sich nur durch Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen zeigen, wird der Arzt zur Diagnose solcher tieferliegenden, „subkutanen“, Abszesse den Patienten auf den Krankheitserreger und meist für die bakterielle Infektion verantwortliche Staphylococcus aures zu testen. Dazu dient ein Abstrich des Eiters und eine Untersuchung im Labor.

Weitere Mittel der Abszess-Diagnose sind Ultraschall, MRT und CT, mit denen auch Organabszesse wie Nieren- oder Lungenabszesse aufgespürt werden können.

Zudem kann eine Blutuntersuchung Aufschluss geben. Dabei untersucht man das Blut sowohl auf den Krankheitserreger als auch auf Antikörper gegen und Entzündungszeichen. Findet sich eine erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozytose), deutet dies genauso auf einen Abszess hin wie eine überhöhte Konzentration von C-reaktivem Protein.

Abszess – Behandlung

Die Abszess-Behandlung hängt von der Größe, Tiefe, Körperstelle und Schmerzhaftigkeit des Abszesses ab sowie vom verantwortlichen Krankheitserreger.

Bei kleineren, weniger schmerzhaften Abszessen bedient man sich zur Abszess-Behandlung Antibiotika wie Penicillin, die die Bakterien abtöten und die Entzündung abklingen lassen.

Die Therapie mit Antibiotika ist allerdings nicht ausreichend, wenn der Abszess größer ist, da dann aufgrund der Abkapselung des Eiterbeutels nur wenig Blut ins entzündete Gewebe gelangt – und damit auch nur wenig Antibiotikum, das die Krankheitserreger bekämpfen könnte.

Bei größeren Abszessen läuft die Therapie meist auf eine Operation hinaus, um den Eiter restlos zu entfernen und so die Beschwerden zu beseitigen. Dabei öffnet der Arzt den Eiterbeutel mit einem Skalpell und lässt den Eiter über eine Drainage abfließen. Abhängig von der betroffenen Körperstelle wird der Patient örtlich oder voll unter Narkose gesetzt.  Bei sehr großen Abszessen kann die Behandlung mehrere Operationen beinhalten.

Anschließend wird die Wunde offen behandelt – also nicht vernäht. So soll verhindert werden, dass sich zurückgebliebene Krankheitserreger gemeinsam mit Flüssigkeit neu einkapseln. Wichtig ist die anschließende Wundreinigung und der regelmäßige Verbandswechsel.

Abszess vorbeugen

Einem Abszess vorbeugen – geht das? Leider nur teilweise. Ein paar Dinge kann man allerdings schon tun.

So sind die hauptverantwortlichen Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus nur dann gefährlich, wenn die Immunabwehr geschwächt oder der Körper nicht gründlich gereinigt wird. Vor allem an den Stellen, an denen viel Schweiß fließt, sollte man auf eine gründliche Hygiene achten.

Die Krankheitserreger gelangen nur dann in den Körper, wenn die Haut verletzt ist. Manchen Verletzungen kann man leicht vorbeugen, indem man keine reibende, zu enge Kleidung trägt (Vorsicht vor allem bei scheuernden Nähten eng anliegender Jeans).

Zuletzt ist eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung sinnvoll. Nicht nur, weil so die Immunabwehr gestärkt wird, sondern auch, weil man so für einen regelmäßigen (und nicht zu häufigen oder zu harten) Stuhlgang sorgt.

Intimsprays und Intimlotionen sollten ebenfalls vermieden werden, wenn man einem Abszess vorbeugen möchte. Sie reizen die Haut oft zu stark.
 


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