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Anaphylaxie

Anaphylaxie bezeichnet eine akute, krankhafte Immunreaktion von Tieren und Menschen auf chemische Reize. Die Anaphylaxie betrifft den kompletten Organismus und reicht von leichten Hautreaktionen wie Rötungen und Juckreiz über Störungen der Funktionen einzelner Organe über den Kreislaufschock mit Organversagen bis hin zum anaphylaktischen Schock, einem lebensbedrohlichen Kreislaufversagen.

Bekannt wurde die Anaphylaxie 1902 in Tierversuchen: Hunden wurden Extrakte des giftigen Stachels eines Fischs injiziert, zwei Wochen später bei einer erneuten Injektion waren sie jedoch nicht geschützt (immun), sondern verfielen in einen Schock, den anaphylaktischen Schock, zu Deutsch: „Schutzlosigkeit“. Hier zeigt sich die Entstehung einer Allergie: beim Erstkontakt werden Antigene gebildet, Symptome treten jedoch erst beim zweiten Kontakt mit dem Allergen auf.

Bei der Anaphylaxie handelt es sich um eine Überreaktion des erworbenen Immunsystems auf an sich harmlose Substanzen – die Allergene. Dabei werden Substanzen im Körper freigesetzt, die entzündliche Reaktionen auslösen. Mastzellen und Mediatoren wie Histamin und Leukotriene spielen dabei eine wichtige Rolle.

Diese entzündlichen Prozesse haben diverse Folgen:

  • Die Gefäßwände werden durchlässiger (erhöhte Gefäßpermeabilität)
  • Die Gefäße werden weitgestellt (Vasodilatation)
  • Die Bronchien werden enggestellt (Bronchospasmus)

Wie stark die Anaphylaxie ist, hängt vom Betroffenen ab sowie von der Art und Menge des Allergens, mit dem er in Berührung kam. Immer läuft die Reaktion jedoch in zwei Phasen ab: der Initialphase und der systemischen Reaktion.

Die Initialphase beginnt innerhalb weniger Minuten bis Stunden, sie zeigt sich vor allem an folgenden Beschwerden:

  • einzelne (lokale) Hauterscheinungen
  • Bronchospasmen (allergisches Asthma)
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Darmkoliken

Bei der folgenden systemischen Reaktion treten die folgenden Abläufe und Beschwerden ein:

  • ausgebreitete (generalisierte) Hauterscheinungen wie Gesichtsrötung (Flush), Nesselsucht (Urtikaria), Juckreiz (Pruritus), entzündliche Hautrötung am ganzen Körper (Erythem)
  • Beschwerden im Magen-Darm-System wie Durchfall, Erbrechen, Koliken
  • Vergengte Atemwege (Obstruktion) durch Ödeme und Bronchospasmus
  • Gefäßerweiterungen und Flüssigkeitsverschiebungen im Blutkreislauf, die einen Schock hervorrufen können

Unterschieden werden vier Schweregrade der Anaphylaxie:

  • I: Niesen, Husten, Quaddeln, Juckreiz, Hautrötung, Ödeme, Tachykardie
  • II: Beklemmung, Dyspnoe, Bauchkrämpfe, gestaute Halsvenen, Blutdruckabfall
  • III: Schwere Luftnot, Krampfanfälle, Eintrübung, starker Blutdruckabfall
  • IV: Bleiche oder livide Haut, Verlust des Bewusstseins, Pulse nicht tastbar

Anaphylaktischer Schock

„Anaphylaxie“ meint also nicht immer den anaphylaktischen („allergischen“) Schock. Dieser ist die schlimmste Ausprägung der Anaphylaxie.
Hervorgerufen werden kann diese Lebensbedrohliche Reaktion zum Beispiel durch:

  • Nahrungsmittel: vor allem Nüsse, Erdnüsse, Milch, Eier, Fisch, Schalentiere und Soja
  • Medikamente und Infusionen wie Schmerzmittel, Antibiotika, Narkosemittel oder Röntgenkontrastmittel
  • Tierallergene und Insektengift wie Tierhaare oder die Stiche von Wespe, Biene, Hummel, Hornisse etc.
  • Sonstige Substanzen wie Naturlatex (tritt vor allem in medizinischen Berufen auf)

Beim anaphylaktischen Schock weiten sich die Blutgefäße, der Blutdruck fällt ab und Flüssigkeit tritt aus den Gefäßen ins umliegende Gewebe. Lebenswichtige Organe werden dabei zu wenig durchblutet.

Der Zustand ist in der Regel umso lebensgefährlicher, je schneller die Symptome auftreten. Dies kann bereits nach 10 Sekunden der Fall sein, dann treten Übelkeit und Brechreiz, Kreislaufbeschwerden, ein trockener Mund und eine brennende Zunge sowie Atemnot, Sehstörungen und Konzentrationsstörungen auf. Die Haut kann dabei betroffen sein – in Form von Rötungen, Quaddeln, Juckreiz oder Lidödemen – bei der raschen Entwicklung des anaphylaktischen Schocks bleiben sie jedoch oft auch vollständig aus. Anschließend kommt es zum Schock mit abgeflachtem, schnellem Puls und Bewusstlosigkeit.

Treten die ersten Anzeichen eines Schocks auf, muss der Patient sofort vom Allergen abgehalten und der Notarzt gerufen werden. Anschließend bringt man den Patienten in die sogenannte „Schocklage“ mit angehobenen Beinen. Falls möglich wird Sauerstoff über eine Maske erreicht. Bei Bewusstlosigkeit ist stattdessen die stabile Seitenlage zu wählen, bei einem Kreislaufstillstand die Reanimation. Menschen, die wissen, dass sie schwer allergisch reagieren können, sollten stets ein Notfallset bei sich tragen, dieses enthält:

  • Adrenal in Form eines Autoinjektors
  • Beta-2-Mimetikum, ein bronchienerweiterndes Spray bei akuten Atemwegsproblemen
  • Antihistaminikum gegen die allergische Reaktion
  • Cortison gegen Spätreaktionen der Anaphylaxie

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